Rjukan

Warum es sich lohnt, im Anschluss an die Pilgerwanderung, ein paar Tage Urlaub in Rjukan zu verbringen möchten wir euch auf dieser Seite erzählen. Weitere Informationen über Rjukan findet ihr auf der Seite von Visit Rjukan in englischer Sprache.

UNESCO Welterbe

Rjukan war bereits im 19. Jahrhundert auf Grund seines 104 m hohen Wasserfalls als Turistenregion bekannt. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird der Wasserfall in Rohren umgeleitet zur Stromerzeugung genutzt, den Norsk Hydro in Rjukan für das selbst entwickelten Birkeland-Eyde-Verfahren brauchte um Mineraldünger herzustellen – als erstes Unternehmen der Welt! Dies leitete nicht nur die moderne industrielle Revolution in Norwegen ein. Der Kunstdünger revolutionierte auch die weltweite Nahrungsmittelproduktion und legte den Grundstein für Norwegens Weg von einem der ärmsten zu einem der reichsten Länder Europas. Rjukan ist zudem Norwegens erste von einem Architekten entworfene Stadt und wurde von Norsk Hydro in Rekordzeit aufgebaut. Industrimagnat Sam Eyde legte den Grundstein und wollte ein ästhetische Mustergesellschaft erschaffen. Um Arbeiter nach Rjukan zu holen baute er zudem auf höchstem technischen Niveau. Im Jahr 2015 wurde die Industrieregion Rjukan-Notodden von der UNESCO-Kommission zum Weltkulturerbe erklärt. Als solches gelistet werden Orte von herausragender Bedeutung für die Menschheit, die erhalten werden sollen.

Vemork Kraftwerk & Saboteurpfad

Das Wasserkraftwerk Vemork am Wasserfall Rjukanfossen wurde im Herbst 1911 fertig gestellt und war zu dieser Zeit das größte Kraftwerk der Welt. Es wurde Schauplatz einer der wichtigsten Sabotage-Missionen im 2. Weltkrieg, als norwegische Saboteure die Nationalsozialisten daran hinderten, das für die Herstellung der Atombombe benötigte schwere Wasser zu entwickeln. In den alten Räumlichkeiten befindet sich heute das Norwegische Industriearbeiter Museum, wo ihr etwas über die norwegische Industrie- und Kriegsgeschichte erfahren können. Der Weg, den die Widerstandkämpfer für die Sabotageaktion nutzten, ist heute ein markierter Wanderweg und wird auch als geführte Tour angeboten.

Weitere Informationen über das Vemork Kraftwerk auf deutsch findet ihr auf der Seite von Visit Norway  oder auf englisch von Visit Rjukan

und über den Saboteurspfad auf deutsch bei Visit Norway oder englisch bei Visit Rjukan

   Vemork Industriarbeitermuseum         Vemork mit Industrieerbepullover     Maschinenhalle Vemork. Foto: Bjørn-Owe Holmberg/NIA     Sabotørene Visit Rjukan AS

                                                                          wer Lust hat sich einen Industrierbepullover zu stricken findet alle Informationen auf Industrieerbepullover

M/F Storegut

 Die Eisenbahnfähre M/F Storegut transportierte einst Zugwaggons mit Kunstdünger von Rjukan nach Tinnoset, sodass dieser von Notodden aus auf den Weltmarkt gelangen konnte. Die M/F Storegut ist heute ein geschütztes Objekt und steht als Teil des Industrieerbes Rjukan-Notodden auf der UNESCO-Welterbeliste.

Sie verkehrt heute in den Sommermonaten zu bestimmten Terminen zwischen Mæl und Tinnoset und kann auch in Verbindung mit der Museumsbahn zu einem Tagesausflug genutzt werden.

 

Aktuelle Informationen bekommt ihr auf der Seite der Visit Rjukan auf englisch.

Rjukanbanen

Bei den Rjukanbanen handelte sich um ein 1909 eröffnetes halb öffentliches Streckennetz, dass mit hohen Staatszuschüssen gebaut wurde. Die Bahnlinie führt von Rjukan (mit einer Seitenstrecke von Vemork) aus nach Mæl, dort schliesst sich die Eisenbahnfährverbindung mit z.B. der M/F Storegut nach Tinnoset an. Dort hatte man Anschluss an das Netz der Norwegischen Staatsbahn. Die Seitenstrecke von Rjukan nach Vemork wurde bis zu ihrem Abbau 1991 ausschließlich von Güterwagen befahren. Bereits kurz nach Eröffnung der Bahnstrecke wurde ihre Elektrifizierung entschieden. Ab 30.11.1911 fuhr die Bahn dann elektrisch. Sie war die erste elektrische Normalspurbahn in Norwegen und setzt den Standart für die spätere Elektrifizierung in Europa. 

Die Hauptaufgabe der Bahnlinie war der Transport der Güter des zum Kraftwerk gehörenden Chemiewerkes, das vorwiegend Kunstdünger produzierte. 

Ausserdem diente die Strecke auch dem Personenverkehr und so gab es z.B. im Jahr 1930 eine Schlafwagenverbindung nach Oslo. Der Personenverkehr wurde 1970 der Güterverkehr 1991 eingestellt nachdem die neue Strasse entlang des Tinnsjø zwischen Mæl und Gransherad eröffnet wurde.

Die Bahnlinie gehört ebenfalls zum UNESCO Welterbe und die Museumsbahn fährt seit 2016 wieder in den Sommermonaten. Informationen zu Fahrplänen und Buchung findet ihr hier. 

 

Rjukan-Notodden Industrial Heritage lädt zur 

 

Nordischen Welterbekonferenz 2020 ein 

 

und hat in diesem Zusammenhang ein sehr schönes Video zum Welterbe gemacht. 

Das Video ist auf englisch.


Krossobanen

Die Krossobahn („Krossobanen“) ist Nordeuropas älteste Drahtseilbahn und bringt Sie in fünf Minuten von Rjukan bis zum Fuß der Hardangervidda. Sie können sowohl Fahrrad als auch Ski mit der Krossobahn nach oben nehmen – um nur zwei Beispiele für Naturerlebnisse auf der Hardangervidda zu nennen. Die Bahn wurde 1928 als Geschenk von Norsk Hydro gebaut, damit die Bewohner von Rjukan in den Wintermonaten die Sonne sehen konnten. Heute ist die Krossobahn eine Touristenattraktion, die das ganze Jahr über täglich geöffnet ist.

Von der Bergstation Gvepseborg auf 886m (Cafe mit Panoramafenster) hat man einen tollen Blick auf Rjukan, Gaustatoppen und Gausdalen. Die Krossobahn ist der schnellste Weg hinauf zu Europas größtem Nationalpark der Hardangervidda. Ein 20-25 minütiger Spaziergang auf dem "Solstien" (Sonnensteig) bringt euch auf das Hardangerviddaplateau auf 1100 m üN. Die Hardangervidda ist Europas größtes Bergplateau mit einem Areal von 8000 qkm.

Weitere Informationen auf deutsch findet ihr auf der Homepage von Visit Norway oder auf englisch direkt auf der Homepage der Krossobanen

Das Bild stammt von der Homepage der Krossobanen

Gaustatoppen/Gaustabanen

Der Gaustatoppen, der von vielen als der schönste Berg Norwegens bezeichnet wird, ragt 1 883 m ü.d.M. hoch über Rjukan in den Himmel. Er wird jährlich von ca. 30 000 Wanderern bestiegen, die von seinem Gipfel die fantastische Aussicht genießen. Bei Fernsicht kann man in Richtung Osten bis zur schwedischen Grenze und in Richtung Süden bis zur Küste sehen. Das Panorama umfasst ein Sechstel Norwegens. 

Unabhängig vom Wetter können Sie in der über 100 Jahre alten Steinhütte des Wandervereins Kaffee, Waffeln und kleinere Gerichte serviert bekommen. In der Hütte können Sie auch einen von Ihnen selbst ausgesuchten Stein stempeln lassen, als Beweis dafür, dass Sie den Gaustatoppen bestiegen haben. Der beste Ausgangspunkt für diese Wanderung ist Stavsro, das 1 173 m ü.d.M. liegt. Hier befindet sich ein großer Parkplatz mit Kiosk und Toiletten. Der Pfad ist gut mit roten Ts gekennzeichnet, und die meisten brauchen zwei Stunden bis zum Gipfel und etwas kürzere Zeit für den Abstieg. Unterwegs können Sie Steine mit Abdrücken von Meereswogen finden. Diese Steine stammen aus einer Zeit, als das Meer bis hier herauf reichte, wo heute Hochgebirge ist. Mehr Informationen und beeindruckende Bilder findet ihr hier

 

Mit den Gaustabanen kommt ihr bequem auf den Berg. Die Bahn führt in zwei Etappen (technisch getrennt jedoch organisatorisch untrennbar) im Berg hinauf. Auf 1170m Höhe geht es zuerst mit einer Strassenbahn ähnlichen Bahn 850m horizontal in den Berg, anschließend steigt man im Berg um in eine Standseilbahn, die einen auf einer Länge von 1050m insgesamt 650 m in die Höhe bringt. Ausstieg ist dann 80 m unterhalb der Berghütte am Ende eines Tunnels.

Die Idee zu der Bahn wurde 1953 entwickelt um den Gaustatoppen Touristisch zu erschließen. Diese Idee wurde allerdings im kalten Krieg schnell von Armee und Geheimdienst übernommen, die die Bahn 1959 errichteten. Erst 2008 wurde ein Abkommen mit den Norwegischen Streitkräften geschlossen und die Bahn 2010 nach umfangreichen Sanierungsarbeiten für den Publikumsverkehr eröffnet. Die Bahn ist nicht ganzjährig geöffnet. Weitere Informationen findet ihr auf der Homepage der "Gaustabanen" auf englisch.

 

Blick auf den majestätischen Gaustatoppen wenn man von Mæl aus Richtung Rjukan geht, der Grat bei Schnee und dann der Blick ins Tal Richtung Mæl und Tinnsjø und dann vollkommen anders der Blick auf den Gaustatoppen von Gvepseborg und dem Selstali Seter aus gesehen. Der Blick ins Innere des Gaustatoppen darf natürlich nicht fehlen.

Sonnenspiegel

100 Jahre nachdem Oscar Kittelsen und Sam Eyde die Idee des Sonnenspiegels vorgestellt haben wurde die Idee tatsächlich realisiert. Rjukan liegt in einem Ost/West verlaufenden Tal. Der mächtige Gaustatoppen und die steilen Felsen südlich von Rjukan sorgen dafür, dass Rjukan von Oktober bis März sonnenlos ist. Das Zurückkommen der Sonne ins Zentrum der Stadt wird jedes Jahr mit einem großen Fest gefeiert.

1913 stellte der Buchhalter Oscar Kittelsen die Idee des Sonnenspiegels vor und Sam Eyde (der Erbauer von Norsk Hydro und Rjukan) griff sie einen Monat später wieder auf. Er wollte den Bewohnern auch im Winter das Sonnenlicht ermöglichen. Leider hatte er damals noch nicht die technischen Möglichkeiten und so ließ sich diese Idee damals nicht realisieren. Er ließ dafür 1928 die Krossobanen erbauen um den Einwohnern die Möglichkeit zu geben im Winter in die Sonne zu kommen. 

2008 griff Martin Andersen die Idee erneut auf und die Gemeinde Tinn erbaute schließlich 2013 den Sonnenspiegel. Der Spiegel sendet heute die Sonnenstrahlen auf die Mitte des Marktplatzes vor der Touristinformation. Es ist faszinierend sich im Winter in das Sonnenlicht zu stellen, aber ihre Wärme nicht spüren zu können. Aber auch im Sommer sieht man die Spiegel in der Sonne 450 m über Rjukan leuchten. Die 3 Spiegelelemente werden automatisch gesteuert und folgen so der Sonne und reflektieren ihre Strahlen auf den Marktplatz.

Kilde: bilde Bjarte Fredheim, tekst - Visit Rjukan